In Allgemein

von Klaus Kreuzer

Wer will schon belogen werden? Subjektiv und Objektiv niemand.
Aber ist es wirklich klar, warum Lügen verwerflich sein soll.
In den zehn Geboten die Moses am Berg Sinai? Übergeben bekam, steht, obwohl die allgemeine Meinung es anders sieht, nichts über „Du sollst nicht Lügen“ drin. Sondern es steht da, „Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider Deinen Nächsten“.
Das ist aber etwas ganz anderes.
Tatsächlich bedingt die Notwendigkeit des Irrealisierens (Lügen) innerhalb der menschlichen Beziehungen, zwangsläufig Unwahrhaftigkeit und man kann sagen was man will, schon das Verschweigen dessen, was man denkt unterliegt diesem Begriff.
Wobei die Erfahrungstatsache zu berücksichtigen bleibt, dass nur (wenigstens Unbewusst) durchtriebene Menschen, Fanatiker des Wahrheitssagens sind. Zumal die entsprechende Forderung im normalen Alltagsverkehr nicht zu erfüllen ist. So beweist sie bei dem, welcher sie aufstellt, allemal dass er sein Gewissen aus Mangel an Mut, eine Schuld auf sich zunehmen (zu Lügen, zu Irrealisieren), Rückversichert.
Hier wurzelt die Psychologie des Puritaners, der immer ein unbewusster Heuchler ist.

Nun beweisen die Notwendigkeiten eines herkömmlichen Sozialverhaltens gewiss nicht ihre idealen Bedingungen zu der generellen Wahrhaftigkeit. Auch weil zwischen individueller Ethik und sozialer Moral überhaupt, ein unlösbarer Widerstreit besteht.

Überdies bewegt sich der moralische Fortschritt zweifelsohne einem allgemeinen Zustand zu, wo die bleibende Notwendigkeit der „Irrealisierung“ fast schon Staatsgewollt ist.

Trotzdem bleibt letztlich unklar, warum man nicht lügen soll.
Desto unklarer, als jeder dieses „Soll“ instinkthaft anerkennt. Dessen Sinn ist auf keine Weise zu fassen von einer Moral, die von unbegründbaren Forderungen oder unverstandenen Tatsachen ausgeht. Er ist es dagegen ohne weiteres aus dem Geist der Wechselseitigkeit von Sinn (Inhalt) und Ausdruck (Wirkung auf das Außen) zu verstehen.

Sinnesverwirklichung ist die Grundforderung alles Lebens, weil Sinn nur im Lebensausdruck im Hier und Heute wirklich wird. Diese Sinnverwirklichung kann weiter nur dort als vollendet gelten, wo die Obertöne des Sinnes in bezug auf den Grundton im Hier und Heute, in bestmöglichen harmonischem Verhältnis stehen.
Daher letztendlich das Versagen aller östlichen Weisheit in der Lebensgestaltung und ihr Unterliegen gegenüber unserer viel oberflächlicheren Kultur. Da unsere westliche Zivilisation insofern undeutlich ist, missdeutete sie den „Eigensinn“ der Sinnesverwirklichungsmittel.
Daher umgekehrt unsere Erdgewaltigkeit, unser Materialismus. So sind wir des letzten Sinnes noch unbewusst und haben wie keine Kultur vor uns, Sinn (Inhalt) und Ausdruck (Wirkung auf das Außen) in dem Aufgabenkreis wie jener östlichen noch nicht in Übereinstimmung gebracht.
Die genannte Wechselseitigkeit bedingt die Tatsache, dass erst im Sagen die Meinung selbst wirklich wird; dass also Nichtssagen oder Nichteingestehen, Verwirklichung verhindert und Falsches sagen den Sinn selbst verändert. Frauen kennen den Unterschied. zwischen Ausgesprochenem und Unausgesprochenem sehr wohl.
Eine gestandene Liebe und sei vorher noch soviel erraten, schafft eine völlig neue psychologische Situation. Gleiches gilt aber auf jedem Gebiete möglicher Aussprache. Erst der gefundene vollendete Ausdruck macht eine Wahrheit ganz bewusst, und ist sie dies geworden, dann ist die Grundlage möglichen Weiterdenkens verändert; daher die Bedeutung unserer großen Geister.
Die erwähnten Tatsachen sind nun in diesem Zusammenhang, über die abstrakte Notwendigkeit der Gegenseitigkeit von Sinn und Ausdruck hinaus, konkret dahin näher zu bestimmen, dass der äußere Ausdruck einen integrierenden Bestandteil des fraglichen Sinneszusammenhanges darstellt.
Wie ‚konnte von Naturforschern behauptet werden, wir seien traurig, weil wir weinen? Wie konnte ein Darwin und andere die Ausdrucksbewegungen für ein Primäres halten?
Nur deshalb, weil der Ausdruck so sehr zum Gefühle selbst gehört, dass das nicht ausgedrückte Gefühl nicht dasselbe ist wie das ausgedrückte.
Weshalb dann eine Erziehung von innen nach außen, wie die des militärischen Drills, die durch Bewegungen gleichsam Gesinnung schafft, gelingen.
So kann verdrängtes oder zurückentwickeltes Gefühlsleben durch systematisches Ausdrücken ins Bewusstsein zurückgehoben und höher gebildet werden.

Nun, wenn dem also ist, dann wird auch der Sinn der Verurteilung der Lüge klar. Jeder Religions- und Weisheitslehrer verlangt(e) von seinen Schülern unbedingte Wahrhaftigkeit; in bezug auf andere duldete mancher unter ihnen Kompromisse, in bezug auf sich selber keiner.
Inneres Fortschreiten erscheint allein dort rein technisch möglich, wo kein Widerstreit zwischen Sinn und Erscheinung einerseits und die Einwirkung des vorgestellten Ideals, andererseits auf das tiefste Selbst möglich ist.

Wer da lügt, verzerrt oder verbiegt seine eigene Gestalt. Aus eben diesem Grunde wird Verschlagenheit immer, wahre Offenheit hingegen, wo aggressive Hintergründe fehlen, kaum jemals übelgenommen.

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