In Allgemein

Hilde Domin, geborene Löwenstein, verheiratete Hilde Palm (* 27. Juli 1909 in Köln; † 22. Februar 2006 in Heidelberg), war eine deutsche Schriftstellerin. Sie war vor allem als Lyrikerin bekannt. (Wickipedia) Nach ihrem Exil in der Dominikanischen Republik, von der Domin ihren Namen nahm, lebte sie von 1961 an in Heidelberg.

In diesem Gedicht spricht sie von der geheimnisvollen, ja unheilvollen Kraft der Sprache. Jedem von uns ist es sicher schon einmal passiert ein Wort oder einen Satz ausgesprochen zu haben, der besser nicht gesagt worden wäre. Es ist ein besonderes Geheimnis des gesprochenen Wortes, dass es, wenn es ausgesprochen ist, nicht mehr dem Sprecher gehört, sondern dem Hörer. „Was ich ge­hört habe, gehört mir!” Darin zeigt sich ein überra­schender Doppelsinn des Wörtchens „gehört”, der sich auf Hören und Besitzen bezieht.

Mit den ersten Zeilen wird deutlich, was damit gekennzeichnet ist: das Wort. Die Autorin setzt ihre Überlegungen nicht allgemein bei der Sprache an, sondern “beim eigenen Wort”, beim Sprechen des Menschen ganz in der Nähe; sie redet ihn mit “Du” an. Dadurch sind sogleich Mensch und Mensch  und Wort aufeinander bezogen.

Es ist eine allgemeine Erfahrung, auf die wir im Leben immer wieder stoßen können. Durch die Wirkung eines falschen Wortes sind schon Beziehungen gescheitert, mussten Politiker zurücktreten, sind nicht wieder gut zu machende Folgen entstanden.  Dies beschreibt sehr eindringlich dieses Ge­dicht von Hilde Domin:

Unaufhaltsam

Das eigene Wort,
wer holt es zurück, das lebendige
eben noch unausgesprochene
Wort?
Wo das Wort vorbeifliegt
verdorren Gräser,
werden die Blätter gelb
fällt Schnee.
Ein Vogel käme dir wieder.
Nicht dein Wort,
das eben noch ungesagte
in deinen Mund.
Du schickst andere Worte
hinterdrein,
Worte mit bunten, weichen Federn.
Das Wort ist schneller,
das schwarze Wort.
Es kommt immer an,
es hört nicht auf,
anzukommen.
Besser ein Messer als ein Wort.
Ein Messer kann stumpf sein.
Ein Messer trifft oft
am Herzen vorbei.
Nicht das Wort.
Am Ende ist das Wort,
immer
am Ende
das Wort.

Hilde Domin (1909-2006)

Die Gefährlichkeit der Sprache ist also sehr real und allgegenwärtig in unserem Leben.
Es scheint angemes­sen, mit der Sprache sehr achtsam und bewusst umzu­gehen.
Sprechen ist aber weit mehr als Kommunizieren, als Informationen auszutauschen oder etwas zur Spra­che zu bringen. Sprechen ist Erfahren und Verstehen der Welt.

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